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Die Anreise

Nach langem Überlegen habe ich mich dazu entschieden, die Reise - die ich eigentlich mit meiner besten Freundin machen wollte - alleine zu machen. Bis zum letzten Moment war ich unsicher. Natürlich war mein Umfeld nicht ganz begeistert von meinem Vorhaben. Ich - alleine, als Frau in einem fremden Land, wo man nicht mal eben so hin fahren kann. Meine Freundin konnte nun doch nicht mehr und dieses Risiko sind wir bei der Buchung aber auch bewusst eingegangen. Eigentlich hatten wir gesagt, dass wir dann die Reise absagen. Aber irgendwie hat mich der Gedanke gefasst und dann war es um mich geschehen - ich konnte mich dem Gedanken nicht mehr widersetzen. ;-) So eine kleine Auszeit für mich, das stelle ich mir jetzt eigentlich nicht so schlecht vor. Ich hab ja auch mittlerweile ständig was um die Ohren - Uni, Arbeit, Prüfungen, Lernen, irgendwo für irgendwas bewerben (was für mich eigentlich total irrsinnig ist - mich für etwas zu bewerben, wo ich noch nicht mal die Voraussetzung - den Master - abgeschlossen habe, sondern im Gegenteil, gerade erst begonnen habe!! Ich muss doch auch erst mal schauen, wie das Studium laufen wird...). Hier im Urlaub nehme ich Abstand davon, komme zur Ruhe, muss mir die Probleme von den Klienten nicht anhören, analysieren, besprechen. Die Konfliktpotenziale auf der Arbeit kann ich hinter mir lassen usw usf.

 

Also buchte ich nun doch noch Unterkünfte vor und machte mir einen genauen Wochenplan. So ganz blauäugig wollte ich nun doch nicht auf Reisen gehen. Als ich gestern meinen Koffer gepackt habe - welches nur maximal 10kg schwer sein darf - war ich so konzentriert, dass ich noch nicht mal gemerkt habe, dass mein Mann nach Hause gekommen ist. Ich wollte bloß nichts vergessen und bloß nichts falsch machen. Schließlich kann ich nicht auf den Reisepartner ausweichen, der das dann sicherlich dabei hat, was ich vergessen habe (zumindest war das in der Vergangenheit meistens so gewesen). Also habe ich hochkonzentriert meinen Rucksack und meinen Koffer gepackt und bin meine Packliste mehrmals durchgegangen. Als ich mir nur noch sicher sein konnte, dass ich nichts vergessen habe, konnte ich dann doch mal abschalten... und den letzten Abend mit meinem Mann und den Katzen bei einem Ofenfeuer genießen. 
Am nächsten Tag bin ich noch ganz normal arbeiten gegangen. Der Flieger geht ja schließlich erst um 19.30 Uhr von Köln/Bonn los. Auf dem Weg zur Arbeit war ich ganz schön nervös. Aber irgendwann hatte ich mich wieder beruhigt und konnte den Tag ganz normal über die Bühne bringen. Da der Verkehr in Köln manchmal unberechenbar ist - insbesondere zur Hauptverkehrszeit, bin ich bereits um 16.15 Uhr zum Flughafen aufgebrochen und war tatsächlich schon um 16.45 Uhr im Parkhaus. Äh ja, okay... So früh wollte ich jetzt eigentlich nicht schon ankommen, aber gut. Dann kann man ja noch ganz konzentriert die Sachen von der Arbeitstasche in den Rucksack räumen, die Chucks in den Rucksack und dafür die Wanderschuhe anziehen. Die Geldbörse dreimal überprüfen, besorgt auf den Akkuladestand vom Handy schauen - denn man hat die Bordkarte heutzutage ja nur noch virtuell als E-Ticket dabei und 2x prüfen, ob das Auto auch wirklich abgeschlossen ist. Als ich mir auch hier nur wieder sicher sein konnte, schlenderte ich in aller Ruhe zum Terminal - ich hab ja mehr als genug Zeit und Köln ist jetzt nun wirklich kein großer Flughafen! 
Tatsächlich war ich um 17.45 Uhr schon am Terminal. Vom ankommen im Parkhaus, mit umpacken, hin laufen, Koffer aufgeben, Sicherheitscheck, Passkontrolle, Klo, Wasser kaufen - saß ich um 17.45 Uhr auf meiner Bank und da war ich nun. Alleine - und ohne Probleme - konnte ich nun auf das Boarding warten. Irgendwie habe ich den Moment besonders genossen. 
Und dann reihten sich die ungewöhnlichen Ereignisse aneinander: 
  1. Ein Schwarzer - möge es einfach nur Zufall sein - durfte nicht mit fliegen. Ich habe akustisch natürlich nichts verstanden, er hat aber sehr wütend rum gebrüllt, es standen 5 Polizisten um ihn herum plus die Stewardess, die ihm den Eintritt verweigerte. Ich sah einen Pass und eine Boardingkarte. Ich weiß nicht, warum er nicht rein durfte, er sah für mich total normal aus und so wie ich die Gestiken verstehen konnte - war es einfach „nur“, weil er sie am Arm angefasst hat. Ich frage mich bei solchen Situationen immer, wie hätte man auf einen Weißen reagiert?! Ich hoffe, es hatte wirklich nichts mit seiner Hautfarbe zu tun... 
  2. Der Flug verlief völlig unspektakulär - aber! Ich glaube, ich bin das erste Mal in meinem Leben im Dunkeln los geflogen. Oder ich habe zum ersten Mal genauer hingeschaut. Ich weiß es nicht. Mir ist nur aufgefallen, wie dicht besiedelt Deutschland tatsächlich doch ist. Überall Lichter. Von Städten, Dörfern, Autobahnen, irgendwelchen Anlagen, Fußballstadien etc. pp. das pure Leben! Dazwischen kurze Waldabschnitte, dann wieder Zivilisation. Verwundert es da einen, das unsere Wanderwege immer wieder an Ortschaften vorbei kommen? :-) Mir ist das heute irgendwie besonders aufgefallen...
     
  3. Dann hieß es: Anschallen Myladys - wir landen! Und ich schaue raus und denke: Wir sind doch noch über den Wolken?!! Das Flugzeug fängt an die Räder auszuschlagen, zu bremsen, zu sinken und wir sind doch immer noch mitten in den Wolken?! Ich konnte NICHTS sehen. Und irgendwann habe ich realisiert, dass wir kurz davor sind zu landen - und zwar wirklich KURZ DAVOR! Die „Wolkendecke“ sah teilweise wie von unten mit der Taschenlampe angestrahlt aus - so richtig richtig hell. Ob das Dörfer gewesen waren? Bei uns leuchteten diese warm, hier ist es so hell wie mit einer Taschenlampe gewesen. Und dann machte es RUMS - wir sind gelandet - in der Wolke. Dichtester Nebel begrüßte uns. Man konnte noch nicht mal das Ende vom Flügel sehen... Oooookay - und da soll ich gleich Auto fahren?! 

  4. Mein Auto konnte ich problemlos abholen. Nachdem der Typ erst mal nur vor sich hin flüsterte und ich ihn aber drauf hinwies, dass ich „hard of hearing“ bin, hat er nicht mehr ständig gelabert, sondern gestikuliert und seine Sätze sehr kurz gefasst. Er hat mit Stift und Papier gearbeitet und mir Textzeilen vorgezeigt. Sehr schön! Und dann ging es los - in die weite, kleine, Kreisverkehrsreiche - Dubliner Welt! 5€ Maut bin ich in 15km los geworden. 25 Minuten nach der Abfahrt bin ich an der Unterkunft angekommen und konnte noch den letzten hausinternen Parkplatz ergattern und auf der falschen Seite einparken. Man fährt tatsächlich ständig zu weit links - da muss ich wirklich aufpassen! Aber die Dubliner sind geduldig und haben mich langsam fahren lassen - den Stress habe ich mir mit dichtestem „Fog“ (Nebel), welches auch überall auf Warnschildern nochmal schriftlich betont wurde,  nicht gemacht. 

  5. Nun bin ich in diesem süßen kleinen B&B, das auch wirklich liebevoll eingerichtet ist mit einer wunderschönen rote Tür und Türklopfer, mit einem schiefen Boden in alle Richtungen. Mit Bildern an den Wänden, die irgendwie alle linksschief hängen und mit einer Wegbeschreibung zum Zimmer, die mich erst einmal irritiert hatte - ich sollte durch die „Front door“ raus und dann am Gebäude links in die andere rote Tür wieder rein. Sollte ich wirklich Tür die Haustür raus?? Aber es war tatsächlich so, es gibt wohl mehrere Haustüren hier. 
Nun bin ich jetzt erst mal bis Freitag Morgen in Dublin und dann geht es los auf Roadtour. 

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