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Ring of Beara

Mensch habe ich heute gut geschlafen - wie die ganze Zeit schon. Die Betten sind hier so bequem - einfach unschlagbar. Da würde ich am liebsten den Wecker ausschalten und ausschlafen, aber das geht natürlich nicht, wenn man was vom Tag haben möchte. Also stehe ich um 7 Uhr auf, denn hier gibt es frühestens um 8 Uhr Frühstück (Comeragh View in Dunvargan). Mein erster Blick geht nach draußen - wie das Wetter wohl ist? Und ich sehe dann das: 

Also, wenn da mal der Tag nicht gut startet? Aber da hinten sind schon wieder Schleierwolken, das verheißt eigentlich nichts Gutes. Schaun mer mal. Es gibt irisches Frühstück in großzügigen Portionen. Und ich werde noch gefragt, ob weitere Toasts haben möchte. Puuuuuuh, neee, das schaffe ich nicht. Ich musste leider sogar was vom Teller übriglassen (ich bekam einen Teller Irish Breakfast mit 2 Sausages, Sunny Egg, Blutwurst, Leberwurst (?), Bacon... 4 Scheiben Toast, zwei Scheiben Brot, das wie Kuchen aussieht. Cornflakes... Ach - und gebratene Champignons und zwei angebratene Tomatenhälften. Wie zum Teufel soll ich das schaffen? Dann habe ich die Ehre den ersten Eintrag in das neue Gästebuch zu machen. Das Alte fängt 1994 an und seit Januar 2019 gibt es ein Neues, aber da wurde nichts eingetragen. Entweder bin ich der erste Gast in diesem Jahr, oder es wurde vergessen/verweigert. Uppsala - sowas mag ich ja eigentlich nicht. Aber ich habe es souverän gemeistert. Schnell packe ich meine Siebensachen zusammen und fahre zum ersten Ziel. Der Copper Coast - UNESCO-Weltkulturerbe. Kann ja eigentlich nur gut sein. Aber während des Frühstücks hat sich das Wetter schlagartig geändert, es ist dunkel und es regnet mal mehr oder weniger stark. Ich weiß nicht so recht, wie ich den Tag beginnen soll und will das nach dem ersten Ziel entscheiden. 

Ich entscheide mich auf schnellstem Wege zur Beara Insel zu gelangen und die Küstenstraße außer Acht zu lassen. Es regnet und es stürmt wie verrückt, da ich gestern schon nichts sehen konnte, werde ich heute erst recht nichts sehen. Ich statte Dungarvan noch einmal einen Besuch ab, da es gestern schon dunkel war und ich nur noch ins Zimmer wollte. Ich habe im Übrigen im Interlupus zu Abend gegessen und ich glaube, das ist ein komplett Frauengeführtes Restaurant, von der Besitzern zur Köchin zur Kellerin. Die Gäste waren auch überwiegend weiblich, nur ein paar einzelne Männer, die ihre werten Damen zum Essen ausgeführt haben (oder die Damen ihre werten Männer?). Hier in Dungarvan scheint der Greenway eine sehr beliebte und bekannte Sehenswürdigkeit/Strecke zu sein, die man mit dem Fahrrad erkundet. Bei dem Wetter kann man das aber vergessen. Ich kriege entweder meine Autotür nur auf, wenn ich mich mit meinem Oberkörper dagegen lehne, oder sie wird mir vom Wind aufgerissen und ich muss die Tür ganz langsam aufmachen, in dem ich den Griff ordentlich festhalte. Es ist Sturm!! 

Ich komme Cork immer näher und bin unsicher. Links liegen lassen? Anschauen? Ich fahre rein, in ein Parkhaus - und als ich das Ticket schon gezogen habe sehe ich: 10 Minuten kostenfrei, 30 Minuten 3 Euro und 1 Stunde 6 Euro. Die Schirme fliegen nur so durch die Luft, die Menschen laufen schräg gegen den Wind. Ich entscheide: Für so viel Geld und bei so viel Wind schaue ich mir Cork nicht an. Also geht es zügig Richtung Schranke und ich komme kostenfrei wieder raus. Also dann! Auf nach Bantry Bay - ich will auf den Wild Atlantic Way! Zwei Stunden später komme ich an. Es stürmt noch, aber der Regen hat just in dem Moment aufgehört, als ich eingeparkt habe. Wird das Wetter etwa wieder besser? Ich entscheide in ein Café zu gehen und gönne mir einen großen (und sehr leckeren!) Cappuccino und einen Creamy Seafood Chowder. Nun geht es nach Glengariff. Ich merke, die Aufforderungen des Reiseführers, mir irgendwelche Gebäuden anzusehen (in diesem Fall die viktorianischen Villen), lasse ich immer links liegen. Mich interessiert viel mehr die Natur. Und! Ich bin eindeutig in der Nebensaison unterwegs - so viele Parkplätze sind noch gesperrt oder noch keine Fähren unterwegs (was mich gar nicht stört - im Gegenteil!) ;-) 

Und nun bin ich auf der Beara-Halbinsel und auf dem Ring of Beara unterwegs. Ich stelle jetzt einfach nur noch die Bilder rein - ohne vieler Worte. Ich bin hier und da mal in eine Straße rein gefahren („Straße“ - das ist vergleichbar mit den deutschen Feldwegen..., nur dass man da lang fahren darf). Und bin links abgebogen zu ausgeschilderten Sehenswürdigkeiten, wo nix los war, weil keine Touris unterwegs sind. Beara ist eine Nachbarsinsel von Kerry. Der Ring of Kerry ist in der Hauptsaison überfüllt mit Touristen und Reisebussen (die nur gegen den Uhrzeigersinn fahren dürfen). Beara ist die unbekanntere und oft links liegen gelassene Schwester und! Hier dürfen keine Reisebusse lang fahren. Die Straßen werden immer schmaler, irgendwann passt nur noch ein Auto durch. Je schmaler die Straßen werden, umso langsamer werde ich. Ab und zu kommt mir ein Auto entgegen, dann muss einer von uns zur Seite fahren, damit der andere vorbei kommt. Und JEDER Fahrer grüßt den anderen. Irgendwann hebe ich automatisch die Hand. Heute habe ich bestimmt 20x jemanden gegrüßt. Hier herrscht eine ganz andere Kultur! 

Und dann geht die Sonne unter. Und wie! Soooo schöne Farben, der Wahnsinn! Ich komme aus dem Schwärmen nicht mehr raus und muss ständig mit dem Auto stehen bleiben, aber auch weiter fahren, in der Hoffnung neue Motive zu sehen (die ich auch IMMER sehe - es ist so abwechslungsreich!). 

 

Ich steuere Dursey Island an, um mich zu erkundigen, ob die Seilbahn morgen fährt. Es ist Nebensaison - man weiß es ja nicht. Wenn sie nicht fährt, kann ich mir morgen den Weg zurück sparen und direkt weiter gen Norden fahren. Aber sie fährt! Um 9 Uhr geht´s los. Dann schaun mer mal, wie das Wetter morgen wird, wenn es wieder regnet ohne Ende und stürmt wie bekloppt, dann spare ich mir die Wanderung auf der Insel. 
Kurze Zeit später komme ich in meiner Unterkunft Seaview Guesthouse in Allihies an - und - was ist denn hier los?!  Die Autos stehen in zwei bis drei Reihen in dem Kaff. Ich finde keinen Parkplatz. Irgendwann stelle ich mich einfach irgendwo hin. Dann sehe ich - die Kirche leuchtet, alles andere ist dunkel. Okay? Sind die jetzt etwa alle in der Kirche?! Ich steuere meine Unterkunft an, denke mir, die werden ja ihre Arbeit ganz normal verrichten. Nix da - Tür ist geschlossen. Ich soll mich im Supermarket melden, sollte die Tür geschlossen sein. Gesagt getan, ich wandere eine Tür weiter nach links: Geschlossen.... oooookay. Ich rufe meine App auf, um die Richtigkeit der Daten zu prüfen: Passt. Gut, das ist also schon mal ausgeschlossen. Ich wage es und rufe an: Keiner geht dran. Jut.... dann schaue ich mich doch mal in den Nachbarhäuser um, in dem kleinen Kaff kennt bestimmt jeder jeden. Alles ist geschlossen - bis auf die Bar. Ich schaue rein und erkläre meine Sachlage und werde mit offenen Armen und freundlichen und fröhlichen Gesichtern empfangen! So herzlich, wirklich! Wir unterhalten uns, einer ruft Terry an, aber er geht nicht ran. Dann schauen sie auf die Uhr und meinen, dass die zwei bestimmt in der Kirche sind, die Messe wird in 10-15 Minuten enden. Sie fordern mich auf hier zu warten, der Kamin sei an und draußen sei es doch so kalt. Von einem Iren werde ich ausgequetscht, woher ich denn komme, wie das Wetter hier so sei, ob ich mit Auto oder Bus unterwegs sei und wie es mir gefalle. Wir plaudern und irgendwann kommen die Leute in die Bar rein geströmt. Mir wird zugerufen, dass die Kirche jetzt vorbei ist und ich ins Hotel kann. Und Tata - der Supermarkt ist wieder offen, ich melde an, dass ich da bin und werde herzlich in Empfang genommen. Mir wird ein riesiges Zimmer zugeteilt und dann auch noch mitgeteilt, dass das Restaurant hier im Ort erst in zwei Wochen wieder aufmacht. Also kaufe ich noch im Supermarkt Fertigfutter und bekomme heißes Wasser und einen Fork (Gabel) serviert. 
Morgen geht es zum/nach/auf/in (??) Dursey Island, wenn das Wetter passt... Anschließend geht es Richtung Ring of Kerry und mal sehen was der Tag so mit sich bringt.

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