· 

Ring of Kerry

Ein Blick aus dem Fenster Richtung Dursey Island reicht: Den Wanderplan kann ich streichen. Es regnet in Strömen (und damit meine ich wirklich in Strömen). Alles ist grau oder schwarz, ich wusste es schon im Bett, es war so dunkel im Zimmer. Aber mittlerweile kenne ich das irische Wetter - es wechselt so schnell - vielleicht habe ich ja doch noch die Ehre?! Aber erst einmal gibt es Frühstück. Ich darf im Seaview Guesthouse aus 5 verschiedenen Optionen wählen und entscheide mich natürlich für das irische Frühstück, man ist ja nur eine Woche hier. Ich unterhalte mich mit der Gastgeberin und als sie erfährt, dass ich eigentlich auf Dursey Island wandern möchte, winkt sie ab - ich solle das nicht machen, das Wetter sei gar nicht gut und ich solle mich besser anderen Plänen widmen. Wenn mir eine Irin schon davon abrät... Dann sei dem Befehl. Also geht es direkt Richtung Ring of Kerry. Es regnet und regnet und regnet. Meine Laune sinkt ein wenig den Keller. Es wird auch irgendwie richtig kalt, brrrr. 

Ich halte auf dem letzten Stop der Beara Halbinsel: Der Dereens Garden. Pfui, es regnet immer noch... Soll ich, soll ich nicht? Ach ich gehe. Regenhose an, und los geht´s. Zum Glück ist meine Regenjacke so weit, dass ich meine Kamera trotzdem geschützt mit nehmen kann. Und die neue Kamera ist auch noch spritzwassergeschützt und outdoorgeeignet. Den Regen soll es aushalten können. Der Garden ist wunderschön. Jetzt fängt der Frühling ja gerade erst an, aber wenn mal alles so richtig aufblüht... 

In Kenmare angekommen hat das alles noch eine Stufe mehr zugenommen. Dass das noch geht. Mir peitscht der Regen in die Augen. Ich finde mein Ladekabel für das Handy nicht, dass jetzt schon ausgegangen ist (wir haben erst 12 Uhr!!). Ne, gar nicht mein Tag heute. Ich ziehe meine Regenhose an, meine Regenjacke, mümmle meinen Rucksack in den Regenschutz und begebe mich auf die Rundtour des Touristenaushängeschildes. Aber ne, bei dem Wetter vergeht mir jede Laune. Jetzt brauch ich erst mal einen Kaffee und ein Stück Kuchen (Insulinresistenz mal gepflegt beiseite geschoben). So - was mache ich jetzt? Rundtour? Ins Hostel - den Tag im Zimmer verbringen?! Ich habe irgendwie auf nichts Lust und motiviere mich dann aber dazu, den Ring of Kerry zu fahren. Was soll ich um 13 Uhr im Hostel? Da habe ich für heute Nacht ausnahmsweise mal kein Zimmer für mich alleine. Und ich kenne mich - am Ende ärgere ich mich... Alsoooo fahre ich los. Der erste Stop ist der Staigue Fort, ein wunderschöner Ringwall von 1500 VOR Christus! Als ich da ankam dachte ich erst: Na super, aber dann war ich da drin - und wow, ich war begeistert. Man muss sich mal reinziehen dass das Ding 3500 Jahre alt ist. Und es ist komplett erhalten geblieben. 

Weiter geht es nach Caherdaniel zum Derrynane House in der ab 1825 Daniel O ´Connell gelebt hat, ein Erzkatholik, der zum ersten Mal in das Parlament von Westminster gewählt wurde. Auf seinem Grundstück wurden heimlich die römisch-katholischen Messen durchgeführt, die damals verboten waren. Auch dieser Park gefällt mir ausnehmend gut. Der Strand, die Felsen im Meer, der liebevoll gestaltete Park mit seinen vielen Elfenhäuschen. Es hat zwar geregnet, aber das hab ich ausgeblendet und bin in Ruhe durch geschlendert. Dann musste ich aufs Klo, da ich in der Nebensaison unterwegs bin, war das Klo im Gebäude geschlossen, aber ich sah ein weiteres Toiletten-Schild, dem ich folgte. Tatsächlich lag dieses Klo 1km weiter weg! Egal - ich habe dadurch noch mehr schöne Ecken entdecken dürfen. Kann ich nur empfehlen! 

So - was sagt der Reiseführer? Ahja, auf einen Pass mit schöner Aussicht - ääääh nein! Steckt in einer Wolke. Nächster Punkt: Auf ein Gelände, Eintritt 7 Euro. Äääääh nein - ist geschlossen - Nebensaison. Nächster Punkt: Zu einem Ort und dann mit der Fähre auf die Insel soundso übersetzen - äääääh nein, da wird niemand sein. Guuut, hab ich schon mal drei Punkte von der Liste gestrichen, es ist schon 16 Uhr und so viel bleibt mir für den Ring sowieso nicht mehr. Das Wetter klart ganz langsam auf. Es wird doch nicht? Nein, es wird doch nicht etwa die Sonne raus kommen? Aber tatsächlich, sie kitzelt plötzlich an meiner Nase und ich darf ein paar Sonnenstrahlen für den heutigen Tag genießen! 

Ich fahre weiter und als ich um die nächste Kurve biege offenbart sich für mich ein - für Irland ungewöhnlicher - Anblick! Schnee! Und! Regenbogen. Und das dann nochmal in Kombination. Herrlich! Meine Laune schnellt nach oben. 

Und dann darf ich noch einen schönen Sonnenuntergang genießen! Die Iren strömen mit den Hunden auf die Fläche - täglicher Spaziergang? Oder Ausblick genießen? 

 

Aber - Schnee bedeutet auch: Meine morgige Wanderung auf den Gipfel kann ich schon mal streichen - mit Schnee wird das nix. Also umplanen und das bedeutet erst Mal recherchieren. Wer hätte auch ahnen können, dass es schneien wird? 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0